Dienstag 29.12.09

Es schneit schon beim Frühstück, wollen wir da raus? Sunny und ich entscheiden uns für einen warmen Tag im B&B, sollen die beiden doch alleine frieren. Nico übernimmt mal für heute ab hier.

Im Netz hatte ich gelesen, dass man besser Tickets für Mary Kings Close reservieren sollte, "ach was", gedacht und nicht schlecht gestaunt, als wir kurz vor 11 Uhr Tickets kaufen wollen, es gibt nur noch welche für die 17 Uhr Tour. Na auch ok, das passt schon. Wir erhalten unsere Tickets und Schwupps wird das Schild gedreht "sold out for today", das nenn ich Glück gehabt. "Closes" heißen übrigens die kleinen Gassen, die von der Royal Mile abzweigen. Dann gehen wir jetzt zu unserem nächsten Programmpunkt über, dem Scottish Whisky Experience. Ersetzt zwar keine Führung in einer echten Destillerie, aber besser als nichts. Oh, wir haben Glück, heute ist im Preis inbegriffen eine Ausstellung von Whisky Herstellern und das bedeutet 4 weitere drams zum Testen, oh je, 5 Stück pro Person, ob das gut geht? Wo Micha doch keinen Whisky mag? Die Ausstellung lässt Micha aber einen sogenannten milden Einsteiger Whisky Aberfeldy finden, der ihm schmeckt. Allerdings meint der Herr, dass wir den in Deutschland wohl nur über das Internet bekommen würden, genauso wie den Tomatin am Stand nebenan. Da gehe kaum was in den Export. Lecker finden wir auch den Glengoyne, ich finde der ist erst mild, dann scharf und dann schmeckt er nach Keks im Nachgeschmack. "Nicht schlecht", meint Micha, der sich, im Gegensatz zu mir, die Erläuterungen des Herrn am Stand angehört hatte (ich hab derweil unseren Sitzplatz verteidigt), "allerdings ist der Keks eine Kokosnuss". Na ja fast....

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Das hier ist angeblich die größte Whisky Sammlung

Wir gehen als nächstes die Royal Mile fast ganz runter Richtung Holyrood House, hier im alten Tollbooth Gebäude ist die Ausstellung People's Story, die das Leben der ganz gewöhnlichen Leute in Edinburgh von damals bis heute schildert. Es ist ziemlich frisch hier drin, daher gehen wir anschließend ein paar Häuser weiter in Clarinda's Tearoom, um uns bei Tee und Schokolade aufzuwärmen. Erwischt, ein Scone war auch dabei, Micha bestellt einen vermeintlichen Schokokuchen aus der Auslage, der entpuppt sich als dunkler Ingwerkuchen, nicht ganz so sein Geschmack. N isst auch den... wie wir, Bären sind Allesesser.

Bis 17 Uhr haben wir noch ein wenig Zeit, wir schlendern ganz gemütlich die Royal Mile wieder hinauf, besichtigen noch kurz St. Giles Cathedral und gehen dann in den Shop von Mary Kings Close.

Während wir so auf den Beginn unserer Tour durch Mary Kings Close warten, können wir ein unterhaltsames Schauspiel an der Kasse beobachten. Hier steht eine Italienerin, die offenbar unbedingt zu dem Gespenst der kleinen Annie in den unterirdischen Closes möchte und das jetzt und ohne Eintritt zu zahlen, das hat sie nämlich offenbar noch nicht verstanden, das man da nicht einfach so hinunter kann. Allerdings verstand sie aber auch gar nichts von dem, was die Frau an der Kasse ihr nahe bringen wollte, bis die es endlich geschafft hatte, der Dame klar zu machen, dass sie heute die Closes nicht mehr besichtigen könnte, da war die Schlange schon beträchtlich angewachsen... Tickets hat sie dann übrigens doch keine gekauft auch nicht für morgen. Merkwürdig. Die Tour ist ganz nett, bis auf den guide der erzählt von Gott und der Welt und wenig von hier unten, so richtig sympathisch ist er uns nicht. Glücklicherweise haben wir die kostenlos angebotenen Audioguides für Fremdsprachler angenommen und da erfahren wir das, was wir eigentlich von ihm hätten hören sollen. Noch einen Vorteil haben die, wir können immer ganz beschäftigt tun, dann lässt er uns in Ruhe. Der guide hat nämlich offenbar die Angewohnheit, seine Stories immer nur einem Gast zu erzählen und dabei rückt er demjenigen ganz schön auf den Pelz. Eine Familie, die es gerade traf, versucht durch geschicktes Manövrieren möglichst weit weg von ihm zu kommen. Er hat sich aber auf sie eingeschossen und Schwupps steht er wieder neben ihnen. Nach etwas über einer Stunde sind wir aus der Unterwelt wieder aufgetaucht und freuen uns jetzt auf die Torchlight Procession.

Die Menge versammelt sich auf der Royal Mile, noch ist uns die Orientierung des Fackelumzuges nicht klar, in Höhe der St. Giles Cathedral finden wir Wikinger und Piper. "Die laufen doch nicht hinterher, sondern vorne weg, also ist hier vorne", befindet Micha. Um halb 7 soll es losgehen mit der Torchlight Procession, hm, Zeit vergeht und der Zug steht. Dann ein oder zwei Feuerwerksraketen von der Burg, ah, das war wohl das Signal, es geht los. Wir laufen erst neben der Truppe her, treffen aber immer auf stehende fotografierende Menschen, also entschließen wir uns kurzerhand, ein Teil des Zugs zu werden, fädeln und kurz hinter den Pipern ein, damit wir auch was von der Musik hören und laufen einfach mit. Am Ende der Horde hätten wir auch keine Chance, was zu hören, denn der ganze Tross ist mindestens eine Meile lang. Norrie hatte uns gesagt, dass nicht alle Menschen auf dem Calton Hill zum Feuerwerk Platz hätten, da wir so weit vorn sind, malen wir uns gute Chancen aus, dabei zu sein. Allerdings wächst der Zug immer weiter in die Breite und Länge, so dass am Rand stehende Zuschauer sich plötzlich mitten im Zug wiederfinden. Am Fuße des Hügels sehen wir auch ein Schild am Tor zum Calton Hill, welches auf etwaiges Schließen desselben bei zu großem Andrang hinweist. Wir sind aber so gut dabei, dass wir problemlos mit hinauf können.

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Auf dem Calton Hill ergattern wir einen guten Platz, von hier können wir prima das Bonfire und auch das anschließende Feuerwerk sehen. 12.500 Leute haben sich hier eingefunden sagt die Durchsage, ganz schön beeindruckend. Wir kämpfen gegen den eisigen Wind, der zu allem Überdruss ständig heißes Wachs und Funken von den Fackeln herüberweht.

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Bonfire in der Form eines X, als Symbol für die 10 in 2010

Als das ganze Spektakel für beendet erklärt wird, tja kleines Problem, es geht den gleichen Weg hinunter wie hinauf, der ist aber von tausenden Leuten belegt, die noch hinauf wollen und das Ende noch gar nicht mitbekommen haben, es herrscht ein ganz schönes Gewusel. Nico ist sicher, dass wir, wenn wir zum hochgelobten Fish und Chips Restaurant "The Tailend", das wir und für heute Abend ausgeschaut haben, wollen, auf die Nordseite des Hills müssen. Der Weg geht aber die Südseite runter und ist, na ja ein wenig crowded. Wir erspähen ein Pärchen, das vorsichtig versucht, den steilen, unbeleuchteten Nordhang des Hügels hinunter zu gelangen. Hm, kurzes Überlegen, ach was, das können wir auch, und wie das so ist, wenn erst mal einer anfängt, nach einer Weile sind wir eine recht große Gruppe geworden, die sich hier hinabkämpft. Der Guard am Fußende des Hügels motzt ganz schön, als die Horde an seiner Absperrung vorbei stürmt und schlittert.

Unten angekommen, müssen wir uns erst mal orientieren, gar nicht so leicht, da dieser Platz hier nicht auf der Karte verzeichnet ist... wir sehen etwas hilflos aus und bekommen prompt lokale Hilfe, die uns den rechten Weg weist. Ziemlich erledigt kommen wir im Tailend an und genießen um so mehr einen heißen guten Fisch und ein kaltes Bier. Glücklicherweise ist das hier nicht so weit weg vom B&B und wir brauchen nur ca. 10 Minuten durch die Eiseskälte bis in unser warmes Bett. Micha hat auch nasse, kalte Füße, ist auf dem Hügel in eine Riesenpfütze getreten, tja Schuhe nicht imprägniert! "Das hätte bei der Pfütze auch nicht geholfen", meint er.

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