Als Geschenk für M geht es über das lange Wochenende Anfang Oktober, noch schnell bevor es ggf. brexitet (ist das das passende Verb zum Brexit?), na egal, also es geht nach Glasgow. Da gibt es neben berühmten Fußballclubs auch noch ein nicht besuchtes Hard Rock Cafe. Also auf zum "Dear Green Place", wie Glasgow auf Gälisch heißt.

03.10.19 AMS - Glasgow

Um 4.30 Uhr ist die Nacht zu Ende. Also eigentlich schon so gegen 3 Uhr für N, denn Della versucht mehrfach auf das Bett zu springen, in der Hoffnung, es sich dort unbemerkt gemütlich machen zu können. Wir starten auch nur kurz nach Ns Zeitplan um Viertel nach Fünf. Wie erwartet sind die Strassen am Feiertag um diese Uhrzeit leer, das ändert sich schlagartig als wir die Niederlande erreichen. Es ist mittlerweile gegen 6 Uhr, ein normaler Werktag und entsprechend voll. Wir kommen dennoch gut durch und erreichen nach etwa 2h um 7.20 Uhr den uns mittlerweile ganz gut bekannten P3 für "lang parkeren". Sunny schafft es sogar, dass der Regen, der uns auf dem Weg hier her begleitet hat, genau jetzt aufhört. Spitzenbär.

N springt (naja.... sowas in der Art zumindest) mit dem Gepäck an der Bushaltestelle raus und M parkt den Wagen. Anhand der Zeit, die er braucht, um beim Bus aufzutauchen, parkt er wieder JWD.

Bis zum Gate brauchen wir allerdings ewig, über eine Stunde. Ns Kaffeebestellung bei McD ist dabei das kürzeste Übel. Die Sicherheitskontrolle dauert einfach endlos lang. Nicht die Schlange selber, das geht schnell, aber hier sind neue Geräte und man soll die Flüssigkeiten und Laptops im Gepäck lassen. Davon verspricht man sich eine Beschleunigung der Kontrollen, hatte N vor einer ganzen Weile mal gelesen. Da aber deutlich mehr Gepäck in die zweite Kontrolle geht, die eeeeendlooooos langsam ist, wird das Ganze hier zur Schneckenkontrolle. So lange haben N & M noch nie an einer Sicherheitskontrolle gewartet.

Interessant auch, dass wir beim Verlassen des Landes durch die automatische Passkontrolle müssen.

Am Gate müssen N & M ihr Handgepäck aufgeben, ohne irgendeine Begründung. M hat glücklicherweise noch den Geistesblitz, dass wir den Laptop rausnehmen sollten. Nervig auf jeden Fall, da die Fächer über den Sitzen in unserer Reihe komplett leer sind, aber nicht zu ändern. N ist etwas angespannt, da sie den Koffer nicht abgeschlossen hat. Hoffentlich ergießt sich der Inhalt nicht in den Flugzeugbauch...

Aber natürlich geht alles glatt, wie M immer predigt: "Vertrau dem System."

In Glasgow gegen 10 Uhr angekommen nochmal Passkontrolle und dann ab zum Bussteig 1. Wir fahren mit dem Bus 500 in die Innenstadt. Die Tickets hatte N vorab im Internet gekauft, kann man aber auch hier direkt vor Ort und sogar schon contactless machen. Lecker warm hier im Bus (draußen sind momentan nämlich nur um die 4 °C), freies WLAN und USB Anschlüsse. Alles da. Am ersten Halt, nach etwa einer Viertelstunde Fahrt, müssen wir allerdings schon wieder raus und ein paar Meter den Hügel rauf ist auch schon das offenbar noch recht neue Hampton. Einmal mehr macht sich der geschenkte Hilton Diamond Status bezahlt. Wir können jetzt um kurz nach 11 Uhr schon unser Zimmer beziehen und bekommen genau das Zimmer #502, dass N gewählt hätte, wenn der Self Check In funktioniert hätte, aber sowohl die App als auch die Webseite melden technischen Fehler.

M zieht noch schnell einen Pullover zusätzlich an und weiter geht es zu unserer ersten Sightseeing Station für heute. Das Tenement Haus. Die Wohnung ist noch original so eingerichtet, wie sie die Mieterin 1965 zurück ließ. Allerdings hat sie, seit sie die Wohnung 1911 bezog, offenbar nur wenig verändert.

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Verrückt, dass jemand in den 60ern noch so lebte und wohnte.

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Auf dem Rückweg kommt sogar die Sonne raus. Sunny ist unglaublich.

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Der Charles Rennie Mackintosh Willow Tearoom. Mackintosh war einer der führenden Personen der Art Nouveau Bewegung, was dem Judendstil im deutschsprachigen Raum entspricht.

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Man merkt, dass wir in der Nähe des Meeres sind.

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Bis zu unserer Reservierung ist noch etwas Luft, also ziehen N & M das Hard Rock Cafe vor und decken sich mit Shirts ein. Das Hard Rock Cafe befindet sich im Athenaeum Gebäude eienen ehemaligen Theater.

Da das Hotel auf dem Rückweg zu unserem Termin liegt, bringen wir unsere neu erworbenen Schätze erst mal in Sicherheit und gehen dann ins The Butterfly and The Pig, wo N & M eine Reservierung für 13.30 Uhr haben. Afternoon Tea steht auf dem Plan.

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Es ist mehr als reichlich und der Name ist offenbar Programm. N & M konstatieren, dass sie als leichte butterflies herkamen und als stuffed pigs gehen. Der Möhrenkuchen war aber auch einfach spitze findet N, Ms Favorit war allerdings der Schokokuchen. Obwohl Kokos war auch prima...

Es geht weiter, die nächste Reservierung steht für 16 Uhr auf Ns Plan, eine geführte Tour in der Grand Central Station. Wir sehen uns vorab schon mal ein wenig um. Ein wirklich sehr schönes Gebäude. Es gibt hier in der Halle Proben von einem neuen Energydrink von Cola, brrrr ist das Zeugs süß. Nichts für uns.

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Das Grand Central Hotel. Offenbar DAS Hotel in Glasgow.

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Wir gehen zum Treffpunkt, werden dort namentlich aufgerufen und mit Sicherheitswesten und Hard Hats ausgestattet, die wie Baseballkappen aussehen und weder N noch M stehen. Aber egal, sie müssen ja nicht in den Spiegel schauen. Wir sehen Bereiche, in die man als normaler Reisender nicht kommt. Unter die Kulissen sozusagen.

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Jackie, unsere Tourguidin, erzählt ganz zum Schluss, dass sie früher Banker war und diese Touren hier erst seit 6 Wochen führt. Unglaublich. Sie erzählt mit soviel Elan, Wissen, Details und Dramaturgie, dass man glauben könnte, sie mache das seit Jahren aus dem Effeff.

M: "Na, hat dir die Tour gefallen, Ty?"

T: "Wunderbar, aber die Dame hat einen seltsamen Akzent."

N: "Sagte der Südstaatenbär..."

N & M besorgen noch schnell eine Flasche Wasser bei Sainsburys und gehen dann zurück zum Hotel. Abendessen brauchen die beiden nicht mehr, sie fühlen sich immer noch wie stuffed pigs. Beim Einchecken hat der Herr gemeint, mit unserem Status würden wir an der Hotelbar 40 % erhalten. Jetzt sonst noch groß wohin zu gehen, haben wir eh keine Lust mehr. Obwohl M mal kurz einen Stadionbesuch in die Runde geworfen hatte, da Celtic das Heimspiel hat. Das frühe Aufstehen macht sich mittlerweile aber eben doch etwas bemerkbar und da M zumindest im Fernsehen gerne Euroleague schauen möchte, denn ganz zufällig spielen heute sogar beide Glasgower Vereine, fällt die Wahl halt auf unsere Hotelbar.

 

04.10.19 Glasgow

Nieselregen. Warum muss der Wetterfrosch bitte Recht haben? Nieselregen erreicht ja jede Stelle trotz Schirm, irgendwie wird man immer nass. Wir laufen Richtung Westen und passieren das ...

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Beresford Building, ein Art Deco Gebäude

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... und die Charing Cross Mansions, eins der noch erhaltenen Viktorianischen Gebäude.

Hier an der Kreuzung beginnt das West End. Wir laufen durch die wohlhabendere Woodlands Neighbourhood, dennoch findet M, dass den meisten Gebäuden ein wenig frische Farbe mal gut tun würde. Neue Fenster wären auch nicht schlecht findet N.

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Claremont Terrace

Von Park Gardens aus entern wir den Kelvingrove Park. N versucht sich zu orientieren, um den richtigen Weg Richtung Kelvingrove Art Gallery & Museum einzuschlagen. Gar nicht so einfach. Wir passieren die Statue von Tigress und Cubs auf der Rückseite, hm. Wir sind offenbar ein wenig zu weit nördöstlich. N & M entscheiden, den Hügel runter zu laufen, in der Hoffnung, dass wir nicht irgendwo wieder rauf müssen. An der Hillhead Primary School kreuzen wir den Kelvin River. Ok, wir sind tatsächlich schon etwas zu weit. Wir versuchen statt der Karte den Schildern zu folgen und gehen nach links. Offenbar sind die Hinweisschilder aber irgendwie alle nicht 100-%ig ausgerichtet und so landen wir mehr aus Zufall an der Statue von Lord Kelvin. Passt, da wollte N zwar erst nachher hin aber jetzt ist es genauso gut.

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Ein beliebter Brauch hier in der Stadt ist es, die Statuen mit Strassenbau-Hütchen (wie heißen die Dinger eigentlich korrekt?) zu dekorieren. Im Internet hat N ein Bild gesehen, auf dem Ross und Reiter jeweils einen eigenen Traffic Cone auf hatten, sehr nett.

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Von hier aus können wir unser Ziel für den heutigen Vormittag die Kelvingrove Art Gallery & Museum schon gut sehen, das werden wir jetzt auch sicher irgendwie erreichen. Noch zweimal abbiege und wir sind angekommen. Einmal Schütteln vom Regen und dann starten wir die Erkundung der Hallen mit der Errichtung einer freiwilligen Spende, denn die Museen sind hier kostenfrei.

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Mittags um Eins können wir hier auch noch einem Orgelkonzert lauschen. Wir setzen uns aber nicht, sondern nutzen dies einfach als musikalische Untermalung unseres Besuchs.

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Eine Original Spitfire hängt über den Tieren der Welt. N lernt, dass das am meisten geschmuggelte Tier der Welt das Tannenzapfen- oder Schuppentier ist. Aha. Und dass es ein Tier gibt, das nach Popcorn riecht. Aha aha. Wir passieren die Ausstellung mit der Fauna Schottlands und die Abteilung mit ausgestorbenen Tieren. Natürlich gibt es auch eine Ausstellung über Art Nouveau und Charles Rennie Mackintosh's Werke. Dies, und der Teil über den Einfluss, den die Kriegsrationierung auf die somit erzwungene Kreativität der Möbelbranche hatte, gefällt N am besten.

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M gefällt tatsächlich im anderen Flügel des Gebäudes, in dem die "Kunst" ausgestellt ist, die Kopfinstallation am besten.

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Dali's Jesus ist allerdings auch sehr beeindruckend.

Mittlerweile sind wir schon fast 3 Stunden hier und die Füße verlangen nach Pause und der Rücken auch. Nichts, was ein Stopp im Museums Cafe nicht beheben könnte. N & M ordern Scone, Tea und Hot Chocolate. Jaaaa, das tut gut.

M möchte morgen unbedingt das Bundesliga Spiel gegen Freiburg sehen.

N: "Ist dein BVB total Account denn noch aktiv?"

M: "Ich glaub ja."

N: "Kannst du doch hier auf dem Handy testen. Oder ist die Zahl der Zugänge beschränkt wie bei Sky?"

M: "Scheiß auf das Device."

Kommentar des Autors (hüstel): Weniger eloquent heißt dies wohl, dass man offenbar mit so vielen Endgeräten auf einem Account schauen kann wie man möchte.

Gut, dass er geschaut hat, das Abo war abgelaufen.

Sunny hat sich noch mal etwas ins Zeug gelegt und der Nieselregen hat aufgehört. So machen N & M sich auf den Weg zur unweit gelegenen University of Glasgow. Wo haben die nur bloß die Visitor Info versteckt? Die Schilder dorthin führen überall hin aber nicht zu etwas, was einer Visitor Info nahe käme. N & M finden den Giftshop und das Welcome Center für die Studenten. N versucht es dort und M im Souvenirladen. M ist erfolgreich und präsentiert seine Beute, die gesuchte Broschüre der Self-Guided-Tour. Da können wir ja jetzt starten.

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Professor's Square. Hier wohnten tatsächlich früher die Universitäts-Professoren, heute sind es Vorlesungsräume und Büros.

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University Chapel, laut Broschüre einer der wenigen Orte in Schottland wo man gemischtkonfessionell heiraten kann.

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Die Lion and Unicorn Treppe von 1690 wurde 1870 Stein für Stein vom vorherigen Standort der Universität hierher gebracht und wieder aufgebaut, erzählt uns die Self-Guided-Tour-Broschüre. Ach ja, gestern haben wir noch gelernt, dass andere Länder Staatstiere haben, die bereits ausgestorben sind (N fällt gerade zwar keines ein aber egal). Schottland hat mit dem Einhorn allerdings ein Wappentier, das es im Vergleich dazu überhaupt nicht gab. Die Dame von der Bahnhofsführung, die uns das erzählte, war ganz offenbar kein Harry Potter Fan.

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In dem Haus mit der blauen Plakette hat Lord Kelvin gelebt, der mit 22 offenbar schon Professor war. Nicht schlecht Herr Specht.

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Das Hauptgebäude, das Gilbert Scott Building im Gothic Revival Stil

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Von hier hat man eine schöne Aussicht auf die Kelvingrove Art Gallery, wo wir vorhin waren.

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East Quadrangle. Irgendwie muss N bei dem Anblick unweigerlich an Harry-Potter-Szenen auf dem Schulhof denken.

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Unter den Bögen da drüben im Mittelteil verbirgt sich...

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... The Cloisters oder auch The Undercroft. Oben drüber findet man, wenn man die prächtige Treppe erklommen hat...

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...das Hunterian Museum.

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Hier findet sich Gesammeltes von William Hunter.

Seinen jüngeren Bruder, John Hunter, mit seiner Sammlung haben wir ja schon 2013 bei unserem Besuch im Hunterian Museum im Royal College of Surgeons in London kennengelernt. So jetzt ist alles erkundet, es wird Zeit für ein Tennents. Es ist trocken und so laufen N & M von hier aus wieder Richtung Osten, zurück über die Sauchiehall Street mit den vielen Pubs, Restaurants und Geschäften bis zum George Square.

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George Square

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City Chambers am Kopfende des Platzes hätte N auch gerne noch besichtigt, aber es passte leider irgendwie von den Zeiten nicht. Was wegzulassen ist aber immer auch ein guter Grund, nochmal wiederzukommen.

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Irgendwer mit Taube statt Traffic Cone.

Um die Ecke hier direkt am George Square gelegen befindet sich das Counting House unser nächster Stopp. Ein ehemaliges Gebäude der Bank of Scotland und nun ein Pub, ähnlich wie das Standing Order in Edinburgh. Es ist brechend voll und das so gegen 17 Uhr. Offenbar enden die Arbeitstage hier freitags eher. Mit etwas Glück ergattert N in einem der hinteren Räume eine gerade freiwerdende Booth. Sitzen... wie herrlich. Freitags gibt es das 8,30 all day Fish & Chips special mit einem Bier. Na, das lassen wir uns nicht zweimal sagen. M bestellt und bezahlt wie in UK üblich direkt an der Bar und kommt mit zwei Tennents zurück. Das Essen wird gebracht, dazu hat jeder Tisch eine Nummer, die man an der Bar bei der Bestellung mit angibt. aber auch dieser Brauch scheint sich dem Ende zu nähern, denn hier wird groß beworben, sich die Wetherspoon Brauerei App zu besorgen, mit der man vom Tisch aus direkt bestellen und bezahlen kann.... und wieder wird ein Stück Geschichte irgendwann verschwinden.

Frisch gestärkt beschließen wir, trotz der sehr authentischen und sehr lauten Atmosphäre, von hier an unsere Hotelbar zu wechseln.

 

05.10.19 Glasgow

N möchte gerne, dass ich mich noch über den mangelnden Wasserdruck im Hotel auslasse, aber das ist irgendwie so landestypisch und ich muss mein Fell ja auch nicht duschen, das übergehe ich jetzt mal geflissentlich. Jetzt moniert sie auch noch die fehlende Steckdose im Bad. Ok, das ist wirklich nervig, denn das Kabel des hier zur Verfügung gestellten Föhns ist zudem auch noch sehr kurz, so dass man noch nicht mal den Spiegel vor dem Bad nutzen kann, da die nächstgelegene Steckdose auch dafür zu weit weg ist. Frühstück wird hier am Wochenende bis 11 Uhr serviert und so gehen wir erst gegen 10 Uhr nach unten. Auch in diesem Hampton ist das Essen etwas an das Land angepasst, so wie wir es von den Hamptons in Deutschland kennengelernt haben. Es gibt bacon, beans, bangers, haggis und sowas wie Rührei. Irgendwie bekommt man ja nirgendwo mehr richtiges Rührei findet N nur noch dieses angerührte krümelige Zeugs. Die obligatorischen Hampton Waffelautomaten stehen hier auch. In Ergänzung zu Joghurt, Cereal, Obst, Marmelade und Frischkäse gibt es zusätzlich Wurstaufschnitt und Nutella.

Etwas fussfaul und um die Tatsache, dass es gerade mal nicht regnet, obwohl für heute starker Regen angesagt ist, auszunutzen, fahren wir flink mit dem Bus bis zur Cathedral. Der arme Busfahrer hat es zwar etwas schwer mit uns, da M seine Kreditkarte nicht lange genug auf das Lesegerät hält, um dem armen Herrn zu erlauben, die 1,70 Pfund pro Person abzubuchen... es braucht dafür 3 Anläufe. Aber er ist sehr geduldig mit uns und verspricht uns auch Bescheid zu geben, wann wir aussteigen müssen.

Er bedeutet uns, nachdem wir ausgestiegen sind, auch noch in welche Richtung wir müssen. Entweder einfach sehr nett oder er hat Angst, dass wir uns hoffnungslos verirren, so wie er uns gerade kennengelernt hat. Wir finden ohne uns zu verlaufen, den ein paar Schritte entfernten Cathedral Square.

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Dr. Livingston, I presume.

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St. Mungo's, die Kathedrale von Glasgow.

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Eingang zur Necropolis

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Die Cathedral, interessanterweise mit dem Turm in der Mitte und nicht am Ende des Gebäudes, wie man es sonst meistens findet.

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Von hier oben hat man einen prima Blick auf die Stadt.

N: "Von hier aus ist es nicht weit zum Paradies."

M: "????"

N deutet auf einen großen Schriftzug "Paradise" in der Ferne.

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Wir verlassen den Friedhof Richtung Süden und machen uns auf den Weg zum People's Palace. Unterwegs passieren wir The Barras, offenbar eine Mischung aus Markt und Flohmarkt. Dazu gehört auch eine ehemalige Dance Hall "Barrowland", die heute offenbar für Konzerte genutzt wird.

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Das hübsche Gebäude neben dem Eingang zu The Barras ist eine ehemalige Tonpfeifenfabrik. Lokale Tonvorkommen und der Tabakhandel mit den Kolonien kamen hier offenbar prima zusammen.

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Der People's Palace im französischen Renaissance Stil mit der Doulton Fountain. Die ist offenbar eine Besonderheit denn sie besteht aus Ziegeln. Jetzt wo N so darüber nachdenkt... sind die meisten Brunnen tatsächlich aus Marmor oder Granit oder so was. Zudem ist es auch die größte Fountain aus Terrakotta Ziegeln weltweit liest N sich schlau. Der People's Palace wurde 1898 als ein Kulturzentrum für die Arbeiter errichtet, heute ist hier eine Ausstellung über Leben und Arbeiten in Glasgow, die zwar etwas unordentlich wirkt findet N aber dennoch interessant und sehenswert ist. Die Straße hierher heißt Gallowgate und hier ist der Name Programm, denn früher stand hier auf der Grünfläche neben dem Gebäude der Galgen. Als wir fertig sind haben wir ca. eine Stunde "Luft", daher sucht N aus unserem Reiseführer eine der Touren heraus und so laufen wir ein knappes Stündchen durch Merchant City.

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Von dem Gebäude des alten City Councils steht nur noch der Turm. N hat sich schon gewundert wie das alles da hätte rein passen sollen, denn der Reiseführer meint das Gebäude diente als Versammlungsort, Steuereintreibungsstelle, Gefängnis und Gerichtsgebäude.

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Das Mercat Cross mit Einhorn oben drauf, eine Replica des Originals. Die schottische Version sieht so gar nicht wie ein Marktkreuz aus wie man es aus Deutschland kennt.

Wir gehen weiter und erreichen Merchant Square den südlichen Teil des alten Fruitmarkets. Leider hat N kein Bild, denn kaum betreten wir das Gebäude, geht der Feueralarm los. alle Türen fliegen auf, ein riesiges Gebläse läuft an, so dass es fast die Tischdecken von den Tischen der zahlreichen Restaurant in der lichtdurchfluteten Halle fegt. Leute verlassen das Gebäude. Hm, die ein oder andere Rechnung bleibt heute wohl unbezahlt spekuliert N.

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Um die Ecke finden wir Street Art von Sam Bates, einem Glasgower Künstler.

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Ehemalige Lagerhäuser zur Linken und Rechten der Old Glasgow Sherrif Court. Heute ist dort drin das Scottish Youth Theatre beheimatet.

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Wir passieren die Hutcheson's Hall, ein ehemaliges Krankenhaus für bedürftige Männer. Das Gebäude wurde vom National Trust renoviert und beherbergt heute ein Restaurant. Um die Ecke ist das Italian Centre in der John Street. Überwacht von...

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Italia und ...

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... Merkur.

Mittlerweile ist es kurz vor 15 Uhr. Jetzt müssen wir tatsächlich los, denn wir haben eine Tischreservierung für 15 Uhr im Corinthian Club zum Afternoon Tea. Die Brasserie ist einfach wunderschön anzusehen. Nur leider läuft hier ziemlich laute moderne Loungemusik, was wohl stylish sein soll. N fände ja Klavieruntermalung netter, aber was weiß sie schon. M muss allerdings 3x nachfragen bis die Musik endlich etwas leiser gestellt wird, denn wir sitzen an der Wand unter einem der Lautsprecher und können uns auf 1 m Abstand kaum verständigen. Danach geht es.

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Der benachbarte Flying Scotsman Raum, wird offenbar für einen 50sten hergerichtet. Sehr schön, das würde N auch nehmen, aber tja, an Ihrem 50sten sind wir in Cape Coral.

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Unser nächster Stopp, Kontrastprogramm. N hat uns für 17 Uhr auf die geführte Besichtigung in der Tennent's Brauerei gebucht.

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Bei der Tour müssen die Teilnehmer Haarnetze tragen und mal ehrlich, den einzigen in der ganzen Gruppe hier, denen das steht, sind Sunny und ich.

Zurücklaufen? Ne, keine Lust. Mittlerweile ist es halb Sieben und direkt vor der Tür der Brauerei ist eine Bushaltestelle. Daher nehmen wir den 41er Bus bis nah zum Hotel. An der Hotelbar versucht M BVB total zu starten, um das Bundesliga Spiel von heute zu sehen, aber irgendwie lädt es nicht über das hoteleigene WLAN, also probiert er den mobilen Hotspot vom Telefon und siehe da es läuft. Leider läuft das Spiel nicht so wie gewünscht und endet 2:2. N versucht unterdessen für morgen Tickets für die geführte Tour im Celtic Park zu kaufen, aber der morgige Tag wird als ausgebucht angezeigt. Mist. Hätte sie das mal besser vor ein paar Tagen gemacht. M meint kein Ding, wir fahren einfach mal so hin und schauen uns ein wenig um, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen.

 

06.10.19 Glasgow - AMS

N & M frühstücken ganz gemütlich gegen 10 Uhr und laufen dann ein paar Meter zur West George Street, von hier fährt der Bus No. 2 direkt bis zum Stadion. Hm, wieso kommt der Bus denn nicht, hier ist doch nix los so am Sonntag Morgen. Und hier im Nieselregen rumzustehen macht auch keinen Spaß. Irgendwann kommt der Bus dann endlich.

Wir fahren um die 20 Minuten quer durch die Stadt und irgendwann können N & M rechterhand das Stadion ausmachen. Wir steigen aus. Sunny, der Superbär, hat es geschafft, es regnet nicht mehr. N & M laufen aufs Geratewohl auf das Stadion zu.

M (lacht plötzlich laut auf und deutet auf eine große Beschriftung auf der Seite des Stadions): "Welcome to Paradise". Genau den Schriftzug haben wir gestern von der Necropolis aus gesehen, ohne zu wissen was es ist.

M: "Und ich sag noch, da will ich nicht hin."

N: "Wohin?"

M: "Na ins Paradies. Was soll ich denn da. Da kenne ich doch keinen."

Jetzt mal wieder ernst, angeblich hat das Stadion den Spitznamen Paradise von seiner Lage in unmittelbarer Nachbarschaft eines Friedhofs, den sehen wir allerdings nirgends.

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Celtic Park, das Stadion des Celtic Football Club

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Brother Walfrid, der Gründer von Celtic.

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M will sich mal drinnen umsehen. Hm, er kommt nicht wieder. N geht mal nachsehen, was los ist. Tatsächlich hat M wegen der Touren nachgefragt und die Dame am Empfang meint auf der nächsten Tour um 12 sei noch Platz. Wie lange es denn dauere will N wissen, um sicherzugehen, dass wir rechtzeitig zum Flughafen kommen. 60 Minuten meint die Dame. Perfekt, dass passt. Wir werden nach ganz oben geschickt und dort nimmt uns ein Herr in Empfang, gibt uns zwei Lanyards und bittet N, noch bitte den Eintritt an der Bar zu zahlen. Unser letztes Bargeld... passt exakt. Wie schön, jetzt kommen wir doch noch in den Genuss einer Tour. Mal wieder bestätigt sich, fragen kostet nichts.

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Yup!

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Wow, Sunny macht sogar extra etwas blauen Himmel.

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Hier passen etwas mehr als 60.000 Zuschauer rein.

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Lauft Jungs....

Nach der Tour gehen wir zurück zur Bushaltestelle, der nächste Bus braust einfach an uns vorbei. N meint, das liege an den Lanyards, der Busfahrer war bestimmt ein Rangers Fan. Dem nächsten Bus bedeuten wir sehr deutlich, dass wir mitfahren wollen. Glücklicherweise klappt das und wir fahren mit der Linie 2 bis zu St. Vincent Street nahe beim Hotel. Koffer holen. Der Hotelmanager bittet M, das Lanyad abzunehmen... und noch ein Rangers Fan. M ist nett... aber draußen vorm Hotel hängt er es wieder um. N hofft sehr, dass der Sicherheitsbeamte am Flughafen Celtic Fan ist.

Da es noch trocken ist, gehen wir zum etwas weiter entfernten Buchanan Bus Terminal, der Endhaltestelle der Linie 500, um sicherzugehen, dass wir auch einen Platz im Bus bekommen. Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn der Bus ist tatsächlich nur halb voll als es losgeht.

Eine knappe halbe Stunde dauert es, dann sind wir am Flughafen. An der Sicherheitskontrolle ist offenbar glücklicherweise keiner Fussballfan. Puh.

Unser Flug hat 10 Minuten Verspätung, neue Zeit: 17.05 Uhr. Ok, das geht noch. Allerdings ist Amsterdam eine Katastrophe, der Shuttlebus zum Parkplatz kommt einfach nicht, es nieselt ist kalt und windig und die Menschheit ist mal wieder zu blöd. Statt sich hier in die vorgesehenen Schlangenstehgitter unter dem Dach einzureihen, stehen alle im Regen neben den Gittern. Oh Mann. Als der Bus dann endlich kommt, rennt alles los. Chaos pur. N & M schaffen es zumindest in den nachfolgenden Bus zu kommen. Dann noch im Regen über den endlos großen Parkplatz laufen. Das macht alles keinen Spass. Für nächstes Jahr hat N einen Platz im überdachten Parkhaus gebucht.

Gegen 23 Uhr sind wir dann endlich wieder daheim.